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Kurzgeschichte zu Halloween

Um was geht's?

Einer Gouillotine, die in einem Museum ausgestellt ist, ist langweilig. Doch eines Tages ist Abwechslung in Sicht...


Kurz und schmerzlos

Die Tage vergehen, einer wie der andere. Am Ende der langen Halle stehe ich auf meinem Podest. Die dunkel gebeizten, groben Bohlen knarren und ächzen wenn der alte Mann zweimal im Jahr die fünf Stufen mit seinem Werkzeugkasten und einem Kohlkopf und zu mir herauf steigt.

Bisweilen fühle ich mich wie eine Königin, die träge und in die Jahre gekommen über ihren ebenso ergrauten Hofstaat herrscht. Links von mir stehen in zwei Reihen Ritter in ihren matt schimmernden Rüstungen. Auf der rechten Seite hinter der Säulenreihe, befindet sich die Fensterfront die mir verrät ob die Nächte schon wieder länger werden. Die meisten Museumsbesucher werfen einen Blick auf mein Fallbeil. Dann einen zweiten auf den mit roten Farbspritzern überzogenen Weidenkorb, der den nachgebildeten Kopf eines Landstreichers beherbergt. Dann drehen sie sich angewidert weg.

Meine Freudentage sind einer im Februar und einer im August. Dann werde ich auseinandergenommen, geputzt und geölt. Anschließend setzt mich der alte Mann wieder zusammen und ich erwarte freudig den Abschluss der Behandlung. Er legt den Kohlkopf in mein hölzernes Halbrund, löst die Verriegelung und im nächsten Augenblick ist der Kohl zerteilt. Er wischt mir zärtlich die Klinge ab, packt sein Werkzeug ein und geht. Manchmal erinnere ich mich an meinen Dreiklang: für die Dauer eines Wimpernschlags ein Luftzug, der von einem schmatzenden Hacken beendet wurde und nach einer manchmal endlosen Sekunde das dumpfe Aufschlagen des Kopfes im Korb.