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Zypern: türk. Premier Talat holt sich Eis im Süden

Gestern aus Zypern zurückgekehrt, konnten wir leider nicht mehr live miterleben, wie sich der Präsident des türkischen Nordteils vor ein paar Stunden im griechisch-zypriotischen Teil Nicosias ein Eis holte. Ob das nach den kleinen Zwischenfällen der letzten Woche so etwas wie der Gang nach Canossa war, um an der Ernsthaftigkeit der bald beginnenden Gespräche keinen Zweifel zu lassen? Auf jeden Fall war es eine gute Idee von Talat.

Mein Vater Lambo (www.kyprios.de), mein Sohn Alessio (www.failure-records.de und www.failure-music.de , sowie ab 1.5. Praktikant bei www.galileo-mc.de) und ich empfanden unsere zwei Ausflüge in den Nordteil jedenfalls recht zwiespältig. Die Gegend um Kyrenia und das venezianische Städtchen selbst sind tip-top-1a und haben ihre zypriotische Eigenheit trotz Invasion vor 34 Jahren behalten.

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Foto: der Hafen von Kyrenia, das die Türken "Girne" nennen.

Die Heimatstadt meines Vaters, genannt Morphou (von "Omorphi", die Schöne), die eine der fruchtbarsten Regionen Zyperns ist, sieht allerdings ziemlich un-schön aus. Die Orangenplantagen meiner Familie sind in Ordnung, aber der Ort Morphou als solcher ist leider total runtergekommen. Wieso hat man aus dem Wasserreichtum und den schlüsselfertigen Quadratkilometern von Zitrusfrucht-Plantagen so wenig gemacht? Zypern war 1974 in Europa einer der größten Zitrusfrucht- Exporteure. Die Plantagen sahen auch durchweg gepflegt und bewirtschaftet aus. Im Moment ist gerade Ernte der Sorten, die zweimal jährlich tragen.

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Zypern: Wiedervereinigung "light" - klappt noch nicht so gut

Auch heute wurde der Übergang an der Odos Ledras wieder vorübergehend gesperrt, da die türkische Polizei anscheinend das seit mehr als 30 Jahren von der UN kontrollierte Niemandsland zwischen den Bevölkerungsgruppen nicht akzeptiert. Mehere Polizisten stellten sich auch heute wieder in der sogenannten "grünen Zone" auf und weigerten sich, sie zu verlassen.

Wir wählten heute zum ersten Mal seit der Invasion einen anderen Grenzübergang, der mit Auto passierbar ist und fuhren über St.Hilarion nach Kyrenia, die frühere Perle Zyperns. Wir waren ziemlich überrascht, wie wenig türkisch der Ort nach all der Zeit wirkt. Die Türken bemühen sich sehr, den Ort zypriotisch zu belassen, was ihnen gelungen ist. Die ganz persönlichen Ansichten über die Besetzung sind natürlich außen vor gelassen.


Zypern: Wiedervereinigung "light" - Öffnung der Ledras.

Heute morgen um 2:00 sind wir auf Zypern angekommen und haben uns tagsüber bei angenehmen 22°C trotz leichter Bewölkung bereits recht gut akklimatisiert, dann einige Verwandte und Bekannte getroffen. Am Abend waren wir am frisch geöffneten Grenzübergang in der geteilten Hauptstadt Nicosia Zeugen einer regen Völkerwanderung zwischen den beiden seit über 30 Jahren verfeindeten Volksgruppen. Nach ein paar Stunden wurde der Übergang allerdings wieder geschlossen. Siehe Artikel >

Mal sehen, wie's die nächsten Monate und Jahre politisch weitergeht. Der neue Präsident auf griechisch Zypern Christofias und sein türkischer Amtskollege wecken jedenfalls allerorten Hoffnungen auf eine Lösung des seit 1974 andauernden Zypern-Konflikts. Siehe anstehende Pläne >


"googlen" zwecklos!

Zypern_google Unglaublich: Zypern - immerhin ein EU Mitgliedsstaat - ist ein weißer Fleck auf Google Maps. Wollte gestern wie gewohnt nachgucken, wie man vom Flughafen Larnaca in die Hauptstadt Nicosia kommt und bekam eine weiße Insel mit einem einzigen grünen Pfeil zu sehen.

Nicosia ist übrigens die letzte geteilte Hauptstadt der Welt. Morgen soll allerdings eine Art "Mauerfall" dort stattfinden, zu dem wir dann voraussichtlich anwesend sein werden. Wir, das sind mein Vater Lambos (gebürtiger Zypriote und Gründer und Mitbesitzer des "Kyprios" in München), mein Sohn Alessio, der letzte Woche sein Tonmeister-Studium sehr erfolgreich abgeschlossen hat (dicken Glückwunsch!) und ich. Ein 3-Generationen-Urlaub ist eine neue Erfahrung für uns und so werden wir die nächste Woche die väterlichen Ursprünge unserer Familie gemeinsam erforschen. Ich werde berichten.