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Literatur-Keller im "Stemmerhof"

Letzten Dienstag war der zweite Abend des Schreibkurses mit Diana Hillebrand. Er fand das erste Mal im sanierten "Kartoffel"-Keller des Stemmerhofs in Sendling statt. Das Tonnengewölbe mit rustikalem Touch ist wider Erwarten schön hell und bietet für einen Literaturkeller ein ideales Ambiente. Dianas Vater hat extra für den Keller eine Reihe quadratischer Gemälde angefertigt, die sich mit dem Thema "Schreiben" beschäftigen.

Dann gab es die ernüchternde Einsicht, dass sich potentielle Buchkäufer maximal 7 Minuten mit einem Buch auseinandersetzen (Das empfinde ich, ehrlich gesagt schon als sehr lang). Also, liebe Autoren und Verlage: nehmt ein paar hundert Euro mehr in die Hand und geht zu einem guten Grafiker, der Euch einen auffälligen und interessanten Umschlag macht! Dann kommt der Klappentext und danach lesen die meisten Interessenten lediglich noch eine halbe Seite an. Das heißt, es ist von vitaler Bedeutung für einen unbekannten Autor, einen "Hammer"-Anfang zu schreiben. Erst nach 20, 30 Seiten in Fluss zu kommen, kann sich also niemand leisten. Wenn man in der Gerwichtsklasse "Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv" schreibt, wird der Einstieg für den Buchkäufer zwar immer unwichtiger, aber um ein Buch erstmal in irgendwelche Listen zu bekommen, muss es ja auch mal wenigstens einen Kritiker von sich überzeugt haben.

Also Thema "Anfänge". Dazu hatte Diana viele wirklich beeindruckende Beispiele dabei, wie die Könner dieses Fachs in ein paar Sätzen ganze Welten erschaffen und deren Bewohner so charakterisieren, dass man einfach weiterlesen muss. Sehr inspirierend.

Pk3628_2 Aber zuerst ging's um die "Hausaufgabe" der letzten Stunde (wobei es da von Diana aus keinerlei Druck gibt). Jeder sollte zu einer Postkarte, die er verdeckt aus einem Stapel gezogen hatte, zuhause etwas schreiben. Egal was. Ich hatte einen englischen Doppeldecker-Bus und zwei Dickhäuter gezogen - Puhh! Fast eine Woche fiel mir nicht viel dazu ein, aber am  Dienstagmorgen kam dann doch noch ein Text zu dieser Karte zustande, weil ich mir die halbe Stunde Zeit dafür einfach nahm. Der Text geht so:


Mit zittrigen Händen drehte er die Karte abermals um. An der oberen Kante der Rückseite stand: PK 3628. Hatte er sie deshalb aufgehoben? Und wenn ja, was hatte die Kombination aus Buchstaben und Zahlen zu bedeuten? Wem gehörten die Initialen „PK“? Und die Zahl – war es etwa eine Nummer auf der Liste einer Behörde? Sein Hals fühlte sich kratzig an. Zu viel Speichel hatte sich in seinem Mund gesammelt, während er so mit dem Schuhkarton mit allen Briefen und Postkarten am Fenster des Heims saß und die schwarz-weiß Postkarte immer wieder betrachtete. Er schluckte und hörte ein leichtes Knacken in seinen Ohren. Oder sollten die folgenden Zeilen irgendeinen Bezug herstellen? „Gewichtige Passagiere“ war dort in derselben Schriftgröße gesetzt. Das sagte ihm etwas. Sein Blick hob sich und fand draußen im Garten die Silhouette einer Person im Rollstuhl und einer anderen, die sie schob. „Gewichtige Passagiere“ hatte er während seiner über 20 Jahre als Fahrer der Linie 31 von Swiss Cottage über Notting Hill nach Earls Court Sin sicher auch chauffiert. Aber die meisten waren einfache Leute – wie er auch.

Sein Blick hatte sich gesenkt und er blickte wieder auf die Karte. Mitten auf der linken Seite stand in eiliger, raumgreifender Handschrift nur: „Hey Dad! Schau mal was ich hier zufällig in einem Kiosk gefunden habe: das war Dein Bus! Wie die Elefanten allerdings auf das Foto kommen, weiß ich nicht. Liebe Dich, Deine Mag“. Über 20 Jahre war der rote Doppeldecker-Bus sein Fixpunkt, der Fels in der Brandung, das Koordinaten-System, das den Nutzen seines Lebens für die Allgemeinheit definierte. Alles änderte sich für ihn, nachdem auch die Linie 31 wegen Ihrer unterirdischen Rivalen endgültig eingestellt worden war. Die Stadt London hatte zu viele Busfahrer, darum wurden die jüngeren behalten und Patrick und seine Altersgenossen in den vorgezogenen Ruhestand geschickt. Das bedeutete natürlich schlagartig weniger Geld, aber vor allem: viel zu viel Zeit über den frühen Tod seiner Frau nachzudenken. Er versuchte alles, seiner geliebten Maggie trotzdem ihr Studium zu ermöglichen. Er legte sich richtig quer und nahm einige Hypotheken auf ihr kleines Haus auf und er schaffte es.

Die Finanzwirtschaft, das war ihr Thema schon während des Studiums. Sie war besessen davon, dieses hochkomplexe Geflecht internationaler Kapital- und Warenströme zu begreifen, das dem Durchschnittsmenschen durch die Einflüsse von Politik und global agierenden Konzernen noch unberechenbarer erscheint. Warum sie jedoch nach dem Studium ausgerechnet bei dieser Investment-Bank anheuerte, die ihre Büros im Frühjahr vor dem 11.September in den 73-ten Stock des World Trade Centers verlegt hatte, weiß Gott, wenn es ihn überhaupt gibt. Patrick jedenfalls wusste von all dem nichts mehr. Er hatte sich in einen, den Ärzten unbekannten Bereich seines Ich zurückgezogen, um sich vor dem überbordenden Schmerz zu schützen. Er hatte die Erinnerung an seine Tochter Maggie komplett gelöscht und vertrieb sich die viele Zeit, die er hier hatte, mit seinem Schuhkarton auf dem Schoß und den gesammelten Erinnerungen von Maggie, die ihm jeden Tag neu und fremd erschienen.


Das Klamottenpaar der Woche auf "jetzt.de"

Anna & Luki wurden eine Stunde von der "jetzt"-Redakteurin der Süddeutschen Zeitung interviewt und was dabei rauskam erkannten sie nur schwer wieder. Na ja, ging ja auch nicht um das "Statement"- oder "Weltanschauungs"-Paar, sondern um das "Klamottenpaar der Woche". So bleiben die Kommentare der "jetzt.de" User - dem Thema entsprechend - halt auch größtenteils ganz schön an der Oberfläche. Musik und Klamotten polarisieren schließlich am meisten. Hier geht's zur Fotostrecke >


Schreibkurs im Stemmerhof

So! Vor ein paar Tagen ging endlich der Schreibkurs los, den mir meine liebe Maren zum Geburtstag geschenkt hatte. War doch schon so gespannt! Organisiert und gehalten wird der Kurs von der Münchner Autorin Diana Hillebrand, die am ersten Abend durch viel Sachverstand bezüglich der Aktivierung der linken Hirnhälfte (der kreativen!) überzeugte, aber auch mit Sympathie und Empathie punktete. Hier geht's zur Website von Diana Hillebrand >

Die Kursteilnehmer sind untypischerweise 50:50 Frauen und Männer. Wir sind zehn Leute und sowohl von der Motivation den Kurs zu besuchen, als auch altersmäßig sehr gemischt. Einige haben schon ein paar spontan geschriebene Erzählungen zum Besten gegeben und die waren jede auf Ihre Art sehr gut und eigenständig. Der Kurs findet nun erstmal 6 Wochen hintereinander statt, im Anschluss wird ein aufbauender Kurs angeboten. BIsher find ich's super! Ab nächster Woche geht's dann weiter im eigens renovierten Literaturkeller mit Gewölbe unter dem Stemmerhof. Freu' mich schon auf Dienstag Abend. 


"The Bishops" auf dem Headshrinker-Festival

Wir sind gut 'rüber gerutscht mit fiebernder Elena am Sylvester-Abend (so hat sie leider schon wieder das Feuerwerk verschlafen)!

Ein Nachtrag: zwischen den Jahren war ich mit Alessio auf dem "Head Shrinker Festival", das im dritten Jahr in der Muffathalle und im Ampere stattfand. Das Konzept dachte sich eine Gruppe von Schülern und Studenten aus Herrsching aus, die es seitdem auch umsetzt: mehr als zehn rockig angehauchte Bands an einem Abend in zwei Hallen. Sehr symphathisch dabei das kleinere Ampere, in dem eher Club-Feeling aufkam. Denn trotz mehrerer hundert Besucher wirkte die Muffat-Halle erstaunlich "luftig". Wo sind denn die ganzen Raucher geblieben? Ihr dürft doch erst HEUER nicht mehr...!

Die Bands: Supergalo, Blek le Roc, Planeausters (gefielen mir persönlich sehr gut), um nur ein paar zu nennen, kannten wir zwar alle nicht, aber beispielsweise "Snow Patrol" wurden schließlich auch hier zuerst in Deutschland gesichtet. Der "Hot Act" in diesem Jahr waren zweifelsohne "The Bishops". Ein vor zwei, drei Jahren hoffnungsvoll gestartetes Brit-Pop-Trio mit Zwillingsbrüdern an Gitarre, Bass und Mikros, die optisch erstmal an Beatles-Doubles in Schuluniformen erinnerten. Körpereinsatz und Mimik des Ton angebenden Bishop an der Gitarre liegt irgendwo zwischen dem jungen McCartney, Mick Jagger und Hugh Grant (siehe Fotos). Im Hintergrund der Schlagzeuger, den man optisch eher bei Nirvana vermutet hätte.

Sie kündigten ihr letztes Konzert von insgesamt 155 für dieses Jahr an und rockten nach Mitternacht mit vollem Einsatz vom ersten Song an los. Fazit: handgemachte, rockige, zwar deutlich britisch angehauchte, aber im Detail doch eigenständige Songs, mit einer elektrisierende Bühnen-Performance und einer "Wunder-Kinder"-gleichen Perfektion, die dem Auftritt eine gewisse Skurrilität verleiht und einem ein "wow- was ist das denn..." entlockt. Sicher noch ein wenig "wie" irgendwelche Vorbilder der Rock'n'Roll Ära, aber bei Verstärkung der eigenen Akzente werden sie sicher interessanter. Straighter, kurzweiliger Auftritt der gerade mal 20-jährigen, die sich anschicken vielleicht schon diese Jahr eine größere Fan-Gemeinde auch in Kontinentaleuropa zu erobern. Ihre MySpace-Seite läßt da schon einiges ahnen.  Freue mich auf ihr nächstes Konzert in München.