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6000 Tote unter der Zivilbevölkerung?

04bBei meinen Laufrunden bin ich neulich, als ich mich ein paar Schritte seitlich des Weges hinstellen musste (!), auf diese  Gedenktafel gestoßen. Auf der steht, dass der Hügel in der Parkanlage "Neuhofen" in München/Sendling auf Trümmern des 2.Weltkrieges angelegt wurde und an die 6000 Opfer unter der Zivilbevölkerung erinnern soll, die während des Krieges in München umkamen.

Natürlich sind das 6000 Tote zuviel. Trotzdem hat mich gewundert, dass die Zahl der Opfer im Vergleich zu anderen deutschen Städten niedrig erscheint. Dresden, Hamburg, Berlin, Köln, ... das waren andere Ausmaße, wie man sich noch aus dem Geschichtsunterricht grau erinnert. Und das, obwohl München nach dem Krieg sehr stark zerstört war. Es hatte nur noch halb so viele Einwohner, 400.000 statt zuvor 850.000, in manchen Stadtteilen waren bis zu 70% der Bauten zerstört und es fehlten 82.000 Wohnungen.

Ich habe dann versucht, mehr herauszubekommen und bin auf ein sehr interessantes Essay gestoßen, das man unter unten stehendem Link findet. Teilweise recht detailliert und eher was für Historiker oder Militär-Chronisten, finde ich diesen Bericht aber unter einem einem anderen Aspekt interessant. Dort sind eine Menge Orte und Einrichtungen erwähnt, die es auch heute an der gleichen Stelle gibt. Für mich persönlich, als geborener Münchner eine Art déjà-vu.

Die oberste Führung der Stadt verschanzte sich beispielsweise in den bombensicheren Kellern der Salvatorbrauerei in Giesing. In Giesing bin ich aufgewachsen. BMW im Münchner Norden war ein beliebtes Ziel der alliierten Bombenangriffe wegen der Herstellung von Flugzeugmotoren. Agfa (IG Farben), Linde in Pullach, C. Hurth und Krauss-Maffei sind nur einige Firmen und Einrichtungen, die auch nach dem Krieg an gleicher Stelle mit teilweise leicht, teilweise radikal geändertem Geschäftsmodell weiterarbeiteten. So durfte zum Beispiel BMW eine ganze Zeit lang nur Fahrräder bauen. Krauss-Maffei hingegen ist auch heute ein Rüstungskonzern, nachdem man dort nach dem Krieg für kurze Zeit Busse gebaut hat.

Wenn man sich das geschilderte Grauen dieses und jedes anderen Krieges vergegenwärtigt, das jahrelange Leid aller Menschen die unschuldig und hilflos mit hineingezogen werden und die langfristigen Folgen für Generationen, fühlt man sich nach einer solchen Lektüre total erschöpft und "im Hier und Jetzt" wie in einem unwirklichen Paradies. Es hat aber etwas enorm tröstliches, zu sehen, dass auch so große Wunden irgendwann verheilen können. Bizarr finde ich, dass man heute auf einem Schuttberg des Wahninns nur noch durch eine relativ versteckte Tafel auf diesen Teil der Geschichte hingewiesen wird. Ausführlichere Information an Ort und Stelle könnte da nicht schaden.

Irmtraud Eve Burianek: München     im Luftkrieg 1942-1945, in: historicum.net     [29.2.2004], URL: http://www.bombenkrieg.historicum.net/themen/muenchen.pdf
Autor: Andi Zachariades - München - 2006


Bildstrecke Laufrunde

01Diese Bildstrecke habe ich vor ca. 2 Wochen auf meiner Stammstrecke, die gleich hinter unserem Haus losgeht, gemacht. Momentan sieht's hier anders aus. Der Löwenzahn ist nicht mehr da und wie derzeit in ganz Mitteleuropa: Regen, Regen, Regen! Diese Bilder sollen mich motivieren, trotz des Sauwetters dranzubleiben. Bis hierher sind's ca. 2 km, ein paar Serpentinen und hier geht's immer noch leicht bergauf...



02 ...hhh...hhh...hhh...







03 Das ist der Monopteros, ein klasse Aussichtspunkt...







04 ...wie man sieht! Mann hat München hohe Gebäude ;-)







04b_1 Gedenktafel für die in München getöteten Zivilisten im 2.Weltkrieg.







05 ...hhh...hhh...hhh...







06 Schöner Weitblick, ausnahmsweise ohne Hund drauf!







07 Zweite Runde. Noch zwei...







09 ...sollten's heute...







08 ...schon noch sein...







10 ...hhh...hhh...hhh...







11a

Ein Blick nach Thalkirchen runter.








11b Auch ein schöner Rodelberg im Winter.







12 ...hhh...hhh...hhh...







13 ...ist das jetzt die dritte oder vierte Runde? Eigentlich egal, die laufe ich jetzt noch zu Ende und dann geht's wieder Richtung Heimat. Es soll doch schließlich noch Spaß machen!

Aha, da ist er wieder: der Schweinehund!! Nix da, noch'ne Runde!




02 ...hhh...hhh...hhh...
Autor: Andi Zachariades - München - 2006


»Pixelschriften« auf Teufel komm' raus?

Pix_2 In der Anfangszeit waren sie das Markenzeichen innovativer Webauftritte von jungen Designern, weil sie auch mit Flash vernünftig aussahen. Aber schon bald wurden die »Pixelschriften«, wie manche andere Errungenschaft des Web auch für den Print entdeckt und stehen heute häufig als Synonym für Modernität.

Wir haben sie der technischen Unzulänglichkeit der Webbrowser zu verdanken, der vermeintlichen Einschränkung der 72dpi: die »Pixelschriften«. Angespornt vom Ehrgeiz der Miniaturisierung, die vor einigen Jahren nicht nur die Hersteller von Speichermedien und die Handybauer beflügelte, sondern auch so manchen Webdesigner, versuchten letztere durch klug platzierte Anhäufung von 1x1 Pixel großen Quadraten Schriften nachzuempfinden. Dabei machte man sich eine Eigenschaft des menschlichen Gehirns zunutze, die uns bekannte Formen wiedererkennen lässt, auch wenn wir nur einen Teil der Form sehen. Das bedeutet, dass man »Pixelschriften« nur erkennen kann, wenn man zuvor andere Schriften »gelernt« hat. Rundungen wurden zu »Treppen«, aber Geraden blieben wie gewohnt weiterhin Geraden. Serifen wurden weitgehend abgeschafft.

So mancher klassisch ausgebildete Typograf oder Printgrafiker hatte anfangs mit erheblichem Brechreiz zu kämpfen, angesichts dieser schmerzhaften Vereinfachung mühevoll optimierter, bewährter Schriftfamilien. Manch einen mutete die Typo mancher Website denn auch wie Fliegenschiss auf dem Bildschirm an, andere waren schlicht an die grafische Ausstrahlung eines Kreuzworträtsel erinnert. Trotzdem setzten sich diese Schriften im Webdesign durch. Anfangs nur dann, wenn wenig Platz zur Verfügung stand, zum Beispiel in Navigationen mit vielen, schönen, langen, deutschen Wörtern. Doch sie setzten sich auch in Fällen durch, in denen man durch die reichlich unscharfe Glättung altbewährter Fonts, die nicht screenoptimiert wurden, umgehend dazu genötigt wurde einen Termin beim Augenarzt zu machen, weil man ernsthaft befürchtete »nun doch schleunigst eine Brille zu brauchen«.

Im Print stehen ja bekanntlich viele dots per inch zur Verfügung, weshalb der Sachzwang zur »Pixelschrift« wahrlich nicht gegeben ist, aber die Brandmanager so manches Unternehmens verwenden die lustigen Dinger in den letzten Jahren auch gerne zur vermeintlichen Erschließung junger, hipper, lifestyle-affiner Zielgruppen. So gesehen bei der großen Marke mit dem Stern, die mit ihrem bisher noch jeden zweiten Monat neuen, kostenlosen »Mixed Tape« eine wirklich empfehlenswerte Mischung gechillt-jazziger Tracks anbietet. Dieses Angebot, sowie die noch ziemlich frischen »Text Tracks« finde ich, passen zu Mercedes. Die Antwort darauf, ob der auf diesen Seiten verwendete Pixelfont allerdings zur Hausschrift und zur Marke passt, möge sich jeder selbst geben...

Gestern sah ich beim Laufen im Park, dass sogar die »älteste Brauerei der Welt« nicht nur eine Verjüngung ihrer Produktpalette mittels probiotischem »XAN-Wellness« anstrebt, sondern auch eine Aufladung des Image ihres eher traditionellen Gerstensaftes, mittels »Vollweib«-Testimonial Christine Neubauer und dem Wörtchen »Begehrenswert_gr_1begehrenswert« in Pixelschrift. Abgesehen davon, dass Christine eine wirklich sympathische Person ist (ich kenne sie noch gut aus meiner Zeit als Wirt als Stammgast unserer Taverne »Kyprios« ), die sicherlich auch viele begehrenswert finden, weckt die Pixelschrift auf diesem Transparent bei mir nur sehr begrenzt Begehrlichkeit. Dagegen ist die Platzierung des Claims »Ursprung des Bieres« in inniger Nähe zu Christines Dekolleté schon wieder ein echter Gag :-)
Autor: Andi Zachariades - München - 2006


Alle gesund?

Loewenzahn_01 Das war in den letzten Wochen unser erster Gedanke nach dem Wachwerden. Meistens konnten wir diese Frage nicht bejahen, wie wahrscheinlich viele Eltern von kleinen Kindern. Irgendetwas war immer! Und wenn nicht eines der Kleinen gerade eine triefende Nase, Ohrenentzündung oder verkrustete Augen hatte (neben dem ganz normalen »Zahn-Wahnsinn«), dann hatten Maren und ich wenigstens kurz Zeit, unsere großen und kleinen Leiden zu benennen und runterzuschlucken, weil für ein Auskurieren der Eltern sowieso keine Zeit ist. Aber jetzt ist alles überstanden! Der Sommer kann kommen!!
Autor: Andi Zachariades - München - 2006